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Mariagrube - Siersdorf - Grube Emil-Mayrisch


Die Strecke Mariagrube-Siersdorf-Grube Emil-Mayrisch war die jüngste und gleichzeitig auch kürzeste reguläre Strecke der Region. Trotz ihrer geringen Länge gehörte sie zur ihrer Spitzenzeit zu den stark befahrenen Strecken.


Die Geschichte

Im Jahr 1938 wurde bei Siersdorf mit dem Abteufen der Schächte der Grube Emil-Mayrisch begonnen. Betrieben wurde die Zeche durch den Eschweiler-Bergwerks-Verein (EBV).

Offenbar hatte man aus den früheren Problemen mit der Grube Maria (Mariadorf) und Anna (Alsdorf) gelernt. Während bei diesen beiden Gruben ein jahrelanges Gerangel um eine Eisenbahnanbindung stattfand, wurde zu Beginn der Abteufarbeiten auch mit dem Bau einer Stichstrecke von der Grube Emil-Mayrisch zum Bahnhof Mariagrube begonnen.

Bemerkenswert war, dass der Bau nicht durch die Bundesbahn, sondern durch den EBV durchgeführt wurde. Im Jahr 1941 war die Strecke auf ihrer ganzen Länge fertiggestellt. Zunächst wurde die Strecke nur zum reinen Güterverkehr genutzt. Es wurde Material zur entstehenden Grube gebracht und für die Zukunft war vorgesehen, die geförderte Kohle mit der Eisenbahn abzutransportieren.

Durch den zweiten Weltkrieg wurden die Abteufarbeiten in der Zeche stark beeinträchtigt und kamen letztendlich zum Stillstand. Erst nach längerer Pause konnten die Arbeiten fortgesetzt werden. Mit der Förderung der ersten Kohle konnte erst im Jahr 1952 begonnen werden.

Mit dem Förderbeginn kam es zu einer starken Auslastung der Strecke.

Im Jahr 1953 hat der EBV die Strecke an die Bundesbahn abgetreten, die seitdem den Betrieb auf der Strecke durchführte. Nachdem bis dahin nur Güterverkehr stattfand, wurde durch die Bundesbahn der Personenverkehr auf der Strecke eingeführt. Im Bahnhof Mariagrube wurde eigens ein neuer Haltepunkt eingerichtet.

Neben einer Erweiterung des Güterbahnhofes gab es noch eine weitere wichtige Neuerung: Es wurde eine neue Verbindungskurve eingerichtet. Diese Verbindungskurve ermöglichte den schweren Kohlezügen die direkte Durchfahrt von Siersdorf in Richtung Alsdorf/Herzogenrath. Bis zum Bau der Verbindungskurve war das Befahren in Richtung Alsdorf nur durch ein umständliches und zeitraubendes Rangiermanöver möglich. Dazu musste zunächst die Strecke Aachen Nord - Jülich in Richtung Aachen befahren werden. Über die alte Verbindungskurve musste der komplette Zug zurückgesetzt werden, um dann im Bahnhof Mariadorf auf die Strecke Herzogenrath -Stolberg zu treffen. Nachdem die neue Verbindungskurve des Bahnhofes Mariagrube in Betrieb war wurde die alte Kurve abgebaut.

Längere Zeit gab es dann keine weiteren besonderen Änderungen auf der Strecke. Der Verkehr bestand aus Kohlezügen von Ahlen/Westfalen über Alsdorf kommend zur Belieferung des Kraftwerkes Siersdorf, dass über ein eigenes Anschlussgleis im Grubenbahnhof Emil-Mayrisch verfügte. In der Gegenrichtung wurde die in Siersdorf geförderte Kohle zur Verkokung in die Alsdorfer Kokerei Anna und nach Luxemburg transportiert.

Bis zuletzt kamen dabei Diesellokomotiven der Baureihen 294 und 215 zum Einsatz, die oftmals in Zwei- oder Dreifachtraktion ihre Last bewältigten. Im Personenverkehr wurden Akkumulatorentriebwagen der Baureihe 515 eingesetzt. Den Rangierverkehr im Grubenbahnhof Emil-Mayrisch übernahmen Dampflokomotiven des EBV. Mehr über die Dampflokomotiven des EBV gibt es auf der Homepage von Guido Rademacher.

Zum 21.12.1982 wurde der Personenverkehr auf der Strecke eingestellt, da sich der Betrieb nicht mehr lohnte. Die Fahrgastzahlen waren zu gering. Bis auf weiteres blieb somit nur noch der Güterverkehr übrig.

Um den Güterverkehr war es dann auch fast geschehen, als die Grube Emil-Mayrisch die Förderung zum 18.12.1992 einstellte. Als einziger Güterkunde blieb vorerst nur noch das Kraftwerk Siersdorf, dass noch mit Kohle beliefert wurde. Allerdings auch nicht mehr lange. Ende Juni 1996 stellte das Kraftwerk seinen Betrieb ein, die Kohlezüge wurden überflüssig. Somit gab es keinen Verkehr mehr auf der Strecke. Der Gesamtverkehr wurde zum 22.02.1998 eingestellt.

Nach dem Abriss der Zechenanlagen wurden auch die Gleisanlagen auf dem Gelände zurückgebaut. Auf dem früheren Zechengelände befinden sich heute ein Gewerbegebiet und eine große Brachfläche rund um den früheren Schacht. Die Strecke endet derzeit an einem Prellbock am Haltepunkt Siersdorf, nur wenige Meter von der Landstraße zwischen Setterich und Siersdorf entfernt.

Am 01.11.2000 wurde die Strecke von der EVS (Euregio Verkehrsschienennetz GmbH) übernommen, die mittelfristig eine Wiederinbetriebnahme der Strecke plant. Ob und wann diese Planungen konkretere Formen annehmen bleibt abzuwarten.

Die Strecke

Noch erhaltene Gleisanlagen sind in ROT eingezeichnet, bereits abgebaute in GRÜN.

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Kilometrierung:

Kilometer Ort
0,0 Bf. Mariagrube
1,9 Hp. Hoengen-Nord
5,5 Hp. Siersdorf
6,0 Grubenbahnhof Emil-Mayrisch
6,0 Hp. Emil-Mayrisch


Bf. Mariagrube

Ausgangspunkt der Strecke ist der Bahnhof Mariagrube, der ursprünglich als Grubenanschlussbahnhof für die Grube Maria in Mariadorf errichtet wurde. Dieser Bahnhof lag an der Strecke Aachen Nord-Jülich. Das Empfangsgebäude existiert auch heute noch an der Mariadorfer Eschweilerstraße.

Früheres Empfangsgebäude des Bahnhofes Mariagrube am 24.03.2002

Im Bahnhof Mariagrube waren umfangreiche Rangier- und Gruppengleise für den Güterverkehr vorhanden. Weiterhin befand sich hier der Personenhaltepunkt Mariagrube für die Strecken Mariagrube-Siersdorf und Aachen Nord-Jülich.

Nach dem Verlassen des Bahnhofes beschreibt die Strecke eine leichte Rechtskurve, die sofort im Anschluss von einer Linkskurve gefolgt wird. Weiter verläuft die Strecke fast geradlinig entlang der Ortschaft Hoengen.

Auf einer Überführung kreuzt die Strecke die Straße von Alsdorf nach Eschweiler (L 240). Nur wenige Meter hinter der Überführung befand sich bis zum Umbau der L 240 der Haltepunkt Hoengen-Nord (km 1,9). Dieser lag auf dem Bahndamm und war über eine Treppe zu erreichen. Nach der Verlängerung der L 240, wegen der auch die Brücke umgebaut werden musste, wurde der Haltepunkt nicht wieder neu eingerichtet. Der Haltepunkt bestand seinerzeit aus einem aus rotem Stein gemauerten Unterstand, dessen Form einer Bushaltestelle ähnelte.

Überführung der Strecke über die L 240 am ehemaligen Haltepunkt Hoengen-Nord am 16.05.2002

Bettendorf

Nach ca. 2 km passiert die Strecke östlich die Ortschaft Bettendorf. Nachdem die Strecke die Kläranlage Bettendorf passiert hat, kreuzt sie nach ca. 1 km die Straße von Bettendorf nach Siersdorf (L 109).


Höhe Bettendorf mit Blick in Richtung Siersdorf am 16.05.2002
Höhe Bettendorf mit Blick in Richtung Hoengen-Nord am 16.05.2002


Siersdorf

Strecke am Ortseingang Siersdorf am 23.06.2001
(Unter dem Gras sind tatsächlich noch Gleise!)

Den nächsten Kilometer verläuft die Strecke parallel zur Siersdorfer Umgehungsstraße (K 12) bis zum Haltepunkt Siersdorf. Direkt nach dem Verlassen des Haltepunktes Siersdorf kreuzt die Strecke die Landstraße zwischen Siersdorf und Setterich (L 50). Hinter dem Bahnübergang beginnt das Gelände der Zeche Emil-Mayrisch.

Heutiges Streckenende vor dem ehem. Fdl.-Gebäude in Siersdorf am 23.06.2001

Direkt hinter dem Eingang des Betriebsgeländes befand sich eine Weiche, welche die Strecke in zwei Äste teilte. Der rechte Ast war die Zufahrt zum Personenhaltepunkt Emil-Mayrisch. Der Haltepunkt lag wenige hundert Meter hinter der Weiche in der Nähe des Verwaltungsgebäudes der Zeche. Am Haltepunkt gab es ein kleines Umfahrgleis und einen einseitig angeschlossenen Bahnsteig mit einem Schutzdach.

Hier befand sich früher der Personenhaltepunkt der Grube Emil-Mayrisch.
Foto: Sommer 2001

Der zweite Streckenast (geradeaus) führte unmittelbar in den Grubenbahnhof Emil-Mayrisch. Parallel zum Anschlussgleis lief ein Ausziehgleis bis unmittelbar vor die Landstraße.

Im weiteren Verlauf zweigte im Grubenbahnhof ein Anschlussgleis zum Kraftwerk Siersdorf ab, daß einige hundert Meter nordwestlich in Richtung Setterich lag. Auch das Kraftwerk ist heute abgerissen. Erhalten sind nur noch ein Verwaltungsgebäude und ein Umspannwerk. Die Kohlezüge zum Kraftwerk wurden vom Grubenbahnhof Emil-Mayrisch aus mit Dampflokomotiven des EBV bespannt.

Bereich des ehemaligen Grubenbahnhofes im Sommer 2001

Das Anschlussgleis zum Kraftwerk beschrieb einen weiten 180°-Bogen entlang des früheren Gutes Röttgenhof. Von dort gab es einen kleinen Einblick auf das Kraftwerksgelände (hinter den Kühltürmen), das ansonsten nicht einzusehen war.


Im Jahr 1987 rangierte Lok 2 der Emil-Mayrisch im Bereich des Kraftwerks
Foto: Silvia und Arno Mörkens

Vielen Dank für Informationen an Gerd Mohr!


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